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Dezember 23, 2008

Ich fuehle mich, als haette ich mein Gehirn bei der Einreise nach Saudi Arabien abgegeben und noch nicht wieder bekommen.

Mein Alltag fuehlt sich unreal an. Ich komme mir unnuetz vor und weiss nicht was ich mit mir anfangen soll. Der Haushalt braucht nicht soviel Aufmerksamkeit. Erstens sind wir nur zu dritt, zweitens kommt 3x die Woche eine Haushaltshilfe. Gekocht ist auch schnell, wenn ich denn erstmal weiss, was ich koche. Und wenn ich gar keine Idee habe, springt GoeGa ein, der nicht nur gut kocht, sondern auch sehr gut improvisieren kann.

Emre wird immer unabhaengiger und braucht mich immer weniger.

Auf’s Lesen kann ich mich momentan gar nicht konzentrieren. Ich, die frueher ein Buch innerhalb weniger Stunden ausgelesen hatte und das Buch nicht zur Seite legen konnte, bevor es zu Ende gelesen war, habe seit zwei Wochen drei Buecher hier rumfliegen, in denen ich lustlos rumblaettere.

Meine Geschenke, fuer Freunde und Bekannte muessen noch eingepackt werden. Emre’s Geburtstagsgeschenke ebenso.

I need a life 🙂

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9 Kommentare

  1. Kannst du nicht versuchen, einen Job übers Internet zu bekommen? Mittlerweile gibt es verschiedene Möglichkeiten, virtuell zu arbeiten.

    Mir wäre das auch zu langweilig überhaupt nichts zu tun zu haben außer Kind und Haushalt. Und wenn letzteres dir auch noch abgenommen wird bzw. gar nicht mehr soviel Unterstützung braucht, dann kann sich der Tag wirklich in die Länge ziehen.

    Vielleicht gibt es auch Ehrenamtliche Jobs in deiner Nähe? Dürfen Frauen in Saudi Arabien arbeiten bzw. hast du eine Arbeitserlaubnis?


  2. Ich weiss, das ist alles Jammern auf hohem Niveau und eigentlich geht es mir ja gut.

    Frauen in Saudi duerfen arbeiten, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Selbst saudische Frauen haben Probleme einen Job zu finden.

    Schulen sind hier eine Alternative, doch die stellen lieber Muttersprachler (englisch) ein. Riad war da um einen Tick besser, da es dort die Botschaften gibt, die saemtliche Arbeitsgesetze umgehen koennen. Da habe ich ja auch bei der Deutschen Handelskammer gearbeitet.

    Ehrenamtliche Jobs setzen arabisch Kenntnisse voraus, die ich leider nicht habe.

    An das Internet habe ich noch gar nicht gedacht. Aber mir geht es auch ein wenig darum, dass ich aus dem Haus komme. Sonst sitze ich den ganzen Tag im Schlafanzug hier rum 😆


  3. Huch, das klingt ja fast nach beginnender Depression, aber das ist unter den gegebenen Umständen irgendwie schon normal. Eine Idee, aus dem Haus zu kommen, habe ich leider auch nicht, wenn das denn in Deinem Fall überhaupt möglich ist. (Sch…. goldener Käfig, wie lang muß Dein GöGa denn noch?)

    Aber: Du kannst schreiben, hast Humor und den nötigen Abstand zu Dir und das Tollste, ein bisher sehr bewegtes Leben! Was sollte denn beispielweise Lieschen Müller, die Köln nie verlassen hat, berichten?

    Der/die Deutsche sieht nur die Fassade, kennt nur die Extreme und Auswüchse aus den Medien. Aber Du kannst den „normalen“ Alltag zeigen und das noch aus unterschiedlichen Perspektiven, als „Türkin“ in Köln, als „Deutsche“ in Instanbul und als „Deutschtürkin“ im Saudiland, oder wie auch immer Du Dich siehst.

    Also: ich würde ein solches Buch sofort kaufen. Außerdem schreibt es sich in einem kuscheligen Pyjama ganz entspannt…


  4. Ne ne, das ist keine Depression. Das ist einfach das Gefuehl, mein Potential nicht richtig ausschoepfen zu koennen. Diese Eintoenigkeit und das Monotone zwischen Shoppen und Kaffeetrinken.

    Es freut mich, dass Du mein Geschreibsel gerne liest, aber ich bezweifele, das es zum Autor reicht 😉


  5. Guten Morgen und Frohe Weihnachten gehabt zu haben. Bin grad von Frau Ami hier rüber gekommen.

    Du/ihr lebt im Saudi-Land? Wie kommt es, dass du die Sprache nicht beherrscht? Kannst du dich denn komplett mit deutsch oder englisch verständlich machen?

    Depression ist es vielleicht nicht, aber immerhin ein Gefühl von „unnütz“ sein, oder? Wie alt im Emre denn, dass du sagst, er entzieht sich dir immer mehr?
    Nur „rumsitzen“ ist auf Dauer recht schlecht für die Psyche und das Selbstwertgefühl. Kannst du nicht irgendwas „Kleines“ machen, und wenn es nur ein paar Stunden wären? Als Mann wäre es wohl trotz relativer Emanzipation schätzungsweise weitaus einfacher, oder?


    • Guten Morgen, Herzlich Willkommen und auch Frohe Weihnachten.

      Wir leben seit 5,5 Jahren in Saudi. Ja ich gebe beschaemt zu, die Sprache nicht zu beherrschen. Ich sage immer, jetzt bin wie die Tuerken in Deutschland, die dort jahrelang leben und die Sprache nicht beherrschen. Aber englisch reicht hier voellig aus. Zumal ueberall und jeder englisch spricht. Anstatt arabisch zu lernen habe ich mein englisch perfektioniert.

      Es ist nicht Depression, es ist tatsaechlich das Gefuehl von ’nicht nuetzlich‘ sein. Emre wird diese Woche 9 und ist doch sehr selbststaendig und immer auf Achse. Es ist weniger sich immer mehr entziehen, sondern das immer selbststaendiger werden.

      Dieses Land ist nicht frauenfreundlich – ganz vorsichtig ausgedrueckt – Emanzipation ist ein Fremdwort und wird sicher auch noch eine ganze Weile dauern, bis dieses Wort im Wortschatz aufgenommen wird. Maenner haben es sicher einfacher hier. Auf der anderen Seite jedoch, ist es auch fuer westliche Maenner eine andere Welt, mit eigenen Regeln und Traditionen.

      Ja etwas ‚Kleines‘ muss her, das ist mein Vorsatz fuer 2009. Wenn ich hier schon nicht arbeiten kann, werde ich wohl die Zeit in diesem Land nuetzen um mich weiterzubilden, mir Kenntnisse aneignen, die mir irgendwann in der ‚realen‘ Welt nuetzen koennen. Fangen wir mit einer weiteren Sprache an, kann ja nicht schaden 🙂


  6. Ok, wenn du dafür deine Englisch-Kentnisse perfektioniert hast, bist entschuldigt 🙂
    Mit den Ausländern in Deutschland kannst du dich da aber nicht auf eine Stufe stellen. Viele wollen gar nicht die Sprache lernen bzw. „halten“ ihre Frauen noch so, wie sie es in der Heimat machen würden…

    Die, ich sag mal, moslemische Welt ist eher eine Männerwelt. Trotz vielleicht vieler Freiheiten für Frauen (je nach Land) sind im Grunde immer noch die Männer, die mehr zählen 😦

    Wenn das „Kleine“ dann eben Weiterbildung statt Job ist, erreichst du ja auch ein bisschen von dem was du willst: raus aus der Bude 🙂 Muss ja nicht gleiche eine Sprache sein 😉
    Gibt bestimmt interessantere Dinge.

    Seit ihr berufsbedingt (dein Männe) ins saudi-Land gegangen, wenn ich fragen darf…


  7. Wir sind damals nach Saudi gekommen, weil GoeGa ein Angebot bekam, dass er nicht ausschlagen konnte.

    Was die Tuerken in Deutschland angeht, muss ich aber sagen, dass die 1. Generation es noch richtig schwer hatte. Den ganzen Tag am Band stehen, kein Kontakt zu Kollegen und abends dann ins Heim, wo auch nur Tuerken wohnen… Die Moeglichkeiten Deutsch zu lernen waren nur gering. Und sie wollten ja eigentlich auch gar nicht so lange bleiben. Das sie dann irgendwann Kinder oder sogar Enkelkinder in Deutschland aufwachsen sehen wuerden, daran dachten sie ja nicht im Traum.

    Der Islam ist eigentlich eine mehr oder weniger gleichberechtigte Religion. Die Frage ist, was die Menschen daraus machen?

    Was die Weiterbildung angeht, werde ich mich demnaechst – wenn die Ferien vorbei sind – mal genauer Informieren.

    Aber ich werde ganz sicher hier berichten 😉


  8. stimmt, wer kann schon einem guten angebot widerstehen? 🙂

    freu mich auf deine berichte.



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