Archiv für die Kategorie ‘Deutschland’

h1

Kölle Alaaf

Februar 19, 2009
h1

Reise in die Vergangenheit

Dezember 12, 2008

Als ich heute morgen aufwachte, wusste ich erstmal gar nicht wo ich bin. Das Zimmer war nicht das wo ich aufwachen sollte. Nein ich habe nicht woanders uebernachtet. Es lag vielmehr an meinem Traum.

 

Ich war wieder in Deutschland – oder besser gesagt – noch immer in Deutschland. Ich war jung juenger und unverheiratet. Meine grosse Liebe bat mich, bei ihm einzuziehen. Meine Einwaende, was meine und seine Eltern dazu sagen wuerden, tat er mit einer Handbewegung als unwichtig ab. Seine Eltern solle ich ihm ueberlassen und mit meinen Eltern wuerde er auch sprechen. Wir wuerden ja doch ueber kurz oder lang heiraten.

 

Meine Eltern fanden es gar nicht toll, doch er half mir dabei meine Sachen zu packen und trug sie ins Auto. Wir fuhren am Rhein entlang, an der stinkenden Chemiefabrik  vorbei und kamen bei ihm zu Hause an. Es war kaum eingerichtet. Ich sollte daraus unser zu Hause machen, nach meinen Wuenschen und Vorstellungen.

 

Wir fuhren morgens gemeinsam ins Buero (wir haben damals in einer Firma gearbeitet), abends gemeinsam nach Hause, kochten zusammen, fuehrten endlose Gespraeche ueber Gott und die Welt.

 

Und heute morgen, fuehlte sich mein Schlafzimmer irgendwie falsch an.

h1

Was lebst Du?

Oktober 19, 2008

Gestern habe ich Post bekommen von einer ganz lieben Freundin aus Deutschland. Unter anderem ein Buch. Was lebst Du? Jung, deutsch, tuerkisch Geschichten aus Almanya (das tuerkische Wort fuer Deutschland). Es war zwei Uhr morgens als ich das Licht ausgemacht habe.

An vielen Stellen habe ich heftig genickt, ja genauso ist das habe ich mir gedacht. An anderen Stellen wurde ich ganz melancholisch, auch das hatte ich leider ungefaehr so erlebt.

Mein Vater kam Ende der 60er als Gastarbeiter noch Deutschland, 1970 heiratete er meine Mutter, 1971 wurde ich geboren. In Koeln. Da meine Eltern beide arbeiten gingen, kam ich nur wenige Monate alt zur Tagesmutter. Wobei Pflegefamilie wohl der richtigere Ausdruck waere, denn unter der Woche war ich bei dieser Familie und an den Wochenende zu Hause bei meinen Eltern. Bis zu meinem dritten Lebensjahr. Das ich zuerst deutsch gelernt habe, brauche ich wohl nicht zu erwaehnen. Kommunikationsprobleme blieben nicht aus, denn meine Mutter sprach in den ersten Jahren kein deutsch und ich kein tuerkisch.

Nach meinem dritten Lebensjahr, war ich nur tagsueber bei dieser Familie. Meine Tagesmutter war fuer mich Mama und ihr Mann Papa. Meine Eltern hingegen Mutti und Papi oder Anne und Baba in tuerkisch.

Ich bin in einen katholischen Kindergarten und spaeter in eine katholische Grundschule gegangen. Meinen Eltern empfahl meine Lehrerin mich auf die Hauptschule zu schicken. Realschule wuerde ich nicht schaffen. Nach dem Motto, die wird es wissen, landete ich auf der Hauptschule. Ich hatte gute Noten. Eigentlich haette ich locker auf die Realschule wechseln koennen. Wieder sagte eine Lehrerin, besser eine gute Hauptschuelerin als eine schlechte Realschuelerin.

Ich machte meinen Realschulabschluss, ging anschliessend auf eine Fachschule, wo ich mein Fachabi machte. Auf dieser Schule hatte ich ein Erlebnis, das ich heute noch nicht vergessen kann:Wir schreiben die letzte Matheklausur vor den Sommerferien. Es ist richtig heiss, das Klassenzimmer stickig, die Fenster werden geoeffnet. Vor der Schule sind Strassenbauarbeiten, ich kann den Presslufthammer hoeren. Ich frage den Lehrer, ob ich das Fenster schliessen darf; ich kann mich nicht konzentrieren. Die Antwort dieses Idioten werde ich nie vergessen; “Wenn Sie sich nicht konzentrieren koennen, dafuer haben wir Lager.”

Nach meinem Abitur, kann ich gleich eine Ausbildung bei einem Koelner Versicherungskonzern anfangen. Am ersten Tag waren wir ca. 120 Auszubildende die gemeinsam anfingen. Alles ist perfekt. Nette Ausbilder, die Mitauszubildenden sind nett. Ich fuehle mich wohl. Bei dem ersten Mittagessen in der Kantine sitzen wir bunt gemischt zusammen. Ich habe ein Namenskaertchen an meiner Bluse. Eine Mitauszubildende fragt mich woher ich komme, ich sage aus P. (Kleinstadt bei Koeln), Ne ich meine wirklich… Grosses Fragezeichen bei mir, dann habe ich die Erleuchtung. Ich bin Tuerkin sage ich… Diesmal grosse Augen bei meinem Gegenueber. ‘Wirklich, dass haette ich nicht gedacht. Du sprichst ja perfekt Deutsch und ich haette eher gedacht Du bist Franzoesin’.

Ja man glaubt es kaum, 12 Jahre Schule in Deutschland und ich spreche tatsaechlich akzentfrei Deutsch. (Ich gebe zu, manchmal hoert man einen Koelschen Einschlag).

Nach der Ausbildung fing ich bei einem tuerkischen Unternehmen an, kehrte aber zwei Jahre spaeter wieder zurueck zu meinem Ausbildungsbetrieb.

Da wurden schon mal Tuerkenwitze erzaehlt beim Kaffeeplausch und mit einem betroffenem Blick in meine Richtung, du nimmst das aber nicht persoenlich oder? Du bist ja gaaanz anders. Nun gut wenn ihr meint.

Ich habe schon immer gerne Miniroecke getragen, auch ins Buero. Zwar nicht mini mini, aber mini. Da musste ich mich schon einige Male fragen lassen, ob ich mich auf dem Weg ins Buero umgezogen haette. Klar, in der U-Bahn Toilette und das Kopftuch liegt auch im Schliessfach.

Immer wieder wurde ich ‘positv Diskriminiert’, du bist ja ganz anders. Du bist ja schon eingedeutscht. Nein ich bin eine deutsch-tuerkin. Auch heute noch. Ich habe nur die tuerkische Staatsbuergerschaft. Ich brauch keinen deutschen Pass um mich Deutsch zu fuehlen.

In all den Jahren, in denen ich in der Turkei gearbeitet habe, hatte ich Kontakt zu Deutschland. Ich habe entweder bei Deutschen Firmen oder bei Firmen mit deutscher Werksvertretung gearbeitet. Selbst hier in Saudi, war ich bei der Deutsch-Arabischen Handelskammer

Ich liebe Lakritze und Baklava, Berliner sind fuer mich der Hit, mein Tag ohne Kaffee ist mies. Am liebsten trinke ich ihn mit Kondensmilch und nicht mit normaler. Mein Herz tut weh, wenn ich an Karneval in Koelle denke, ein Auto mit deutschem Kennzeichen treibt mir Pipi in die Augen, wenn ich den Koelner Dom sehe, weiss ich ich bin zu Hause. Mein Telefonklingelton erregt schon mal Aufsehen; Mir stonn zu Dir.. von de Hoehner…

Andrerseits, wenn ich in Istanbul bin, fuehle ich mich, als ob ich angekommen waere. Der Bosphorus riecht nach Heimat, die Sicht der tuerkischen Flagge ist immer ein Gaensehauterlebenis, die tuerkische Sprache reiner Gesang…

Und sagt mir ja nicht, Du bist eingedeutscht oder eine getuerkte Deutsche…

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.